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„Der Heilige mit den Steinen…“

Krankenhauspfarrer Edgar Zoor

Es ist also wieder Liborie: Gottesdienste, Kirmes … - so, wie wir es eben seit Kindertagen kennen: Paderborn steht Kopf -  Dom und Stadt scheinen eine Woche lang vor Lebendigkeit nur so strotzen. Und das alles nur, weil in einem kleinen Holzkästchen einige menschliche Überreste liegen, von denen es heißt, dass sie einem Heiligen gehören: Also einem Menschen, der wirklich gelebt hat,  der seit seinem Tod schon immer ganz bei Gott gewesen ist und der sogar bereit ist, jetzt bei Gott für uns zu beten, wenn wir ihn darum bitten: „Sei gegrüßet, oh Liborie!“
Vor über 15 Jahren habe ich in der Grundschule mit den Kindern über den hl. Liborius gesprochen. Klar: Sie kannten die Kirmes und sie wussten auch, dass das irgendetwas mit „Kirche“ zu tun hatte. Aber den Heiligen selbst kannten sie nicht. Ich wollte ihnen deutlich machen, woran sie eine Figur des hl. Liborius erkennen können und wies mit einer Frage auf die drei Steine hin, mit denen Liborius als Bischof gewandet gerne dargestellt wird. „Wisst Ihr,  was es für Steine in unserem Körper geben kann, die für uns Menschen gefährlich werden können?“ – fragte ich die Viertklässler. Nach einigem Nachbohren meinerseits erinnerten sich Einzelne daran, dass Oma schon mal „sowas in den Nieren“ hatte. Und auch von Gallensteinen hatten sie schon mal gehört – Einer hatte sie sogar mal in einem Becher gesehen, die Opa nach einer Operation mit nach Hause gebracht hatte. Nur auf die dritte Form, die Nierensteine kamen sie nicht. Lediglich ein Schüler, der hatte dann doch die vermeintlich rettende Idee, für was denn wohl der dritte Identifikationsstein des hl. Liborius stehen könnte. Seine fragende Antwort lautete: „Zahnstein?!“
Diese kleine Anekdote aus dem wirklichen Leben lässt aufhorchen: Es gibt in unserer menschlichen Existenz Verhärtungen, die nicht nur unangenehm sind (wie eben Zahnstein), sondern auch extrem schmerhaft sein können und die unser Leben schließlich sogar gefährden. Ich meine damit nicht irgendwelche Mineralisierungen in unseren Organen   sondern die Steine in unserer Seele: Verbitterung, Hass, Verzweiflung und vieles Andere. Sie lassen uns zu unangenehmen Zeitgenossen werden. Und schon Kinder wissen, dass es solche harten Menschen gibt – so wie sie eben wissen, dass Zahnstein nichts Gutes ist.
Liborius muss als Mensch  und Bischof einer gewesen sein, der es schaffte, solche Verhärtungen in den Seelen der Menschen aufzulösen. Wohl in erster Linie durch die Art und Weise, wie er gelebt hat. Und dann natürlich auch durch das, was er als Bischof in seinem Amt gepredigt und getan hat.
Darin möchte ich ihn mir zum Vorbild nehmen. Ich möchte nichts tun, was  anderen Menschen Steinbrocken auf die Seele legt und was für Verhärtungen in ihrem inneren Leben führen kann. Und ich möchte vor allem nicht versäumen, es zu spüren, wenn Andere versuchen, oft durch  liebevollen  Mühen Versteinerungen in meiner Seele aufzulösen: Durch die Art und Weise, wie sie mit mir umgehen, wie sie mit mir reden und was sie für mich tun.
Das Gleiche wünsche ich Ihnen ganz persönlich und den restlichen 1.517.369 Katholiken und 4.800.000 weiteren Menschen in unserem Erzbistum zum Liboriefest 2019.
So ein Heiliger gegen die Steine tut gut!

E. Zoor, Krankenhauspfarrer

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