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Sprechende Bilder

Bei einem Besuch in der Glasmalerei Peters in Paderborn fiel mein Blick zufällig auf ein barockes Bild. Zuerst war ich etwas irritiert, denn den Mittelpunkt der Darstellung bildete eine junge Frau in päpstlichen Gewändern. Ich muss gestehen, mein erster Gedanke war: „Päpstin Johanna?“, aber auch im Paderborner Dom (in der Kanzel) kann man eine solche Frauengestalt sehen, sie stellt die Kirche dar. So wendete ich meine Aufmerksamkeit auf die Gestalt einer anderen Frau im Vordergrund. Ebenfalls eine junge Frau, aber ganz einfach gekleidet, jedoch mit einem großen Anker an der Seite. Sofort dachte ich darüber nach, welche Heilige mit diesem Symbol dargestellt wird, kam aber auf keinen Namen. So sah ich mir die dritte Frauengestalt an: Zwei Kinder begleiteten sie, damit erschloss sich mir die Darstellung: Es war ein Symbolbild, die Frau mit den Kindern steht für die Caritas, die Liebe, die Frau mit dem Anker für die Hoffnung und die in den päpstlichen Gewändern den Glauben. Liebe und Hoffnung tragen auf ihren Schultern einen Ast, an dem eine Fülle von Perlen hängen, in der Mitte das Christussymbol „IHS“. Der Glaube steht dahinter und hält eine Monstranz über diese Perlen. Leider habe ich kein Foto gemacht.

Auf einmal erschloss sich mir diese Komposition! Neben dem Offensichtlichen (Glaube Hoffnung und Liebe) zitiert das Bild noch zwei biblische Geschichten: aus dem Alten Testament die Geschichte von den Traubenträgern und aus dem Neuen Testament das Gleichnis von der kostbaren Perle. Der Glaube ist eine kostbare Perle, die von Glaube, Hoffnung und Liebe getragen werden. Die Traubenträger gehen auf das Buch Numeri (Kapitel 13 und 14) zurück. Mose sendet Kundschafter in das Heilige Land, um es zu erkunden und diese bringen eine riesige Weintraube zurück als Zeichen der Fruchtbarkeit des Landes.

Mit seiner Aussage ist dieses alte Bild höchst aktuell. Wer den Glauben weitergeben will, muss Zeugnis von seiner Kostbarkeit und Schönheit geben. Er ist für viele wie ein Bote aus einem fremden Land, darum muss als erstes die absichtslose Liebe kommen, die tatkräftig hilft und zur Seite steht, sie kann sozusagen Türöffner für die Botschaft sein. Die Hoffnung, die am hinten geht, darf man nie verlieren. Der Glaube wird in Hoffnung und Liebe konkret und sichtbar in der Eucharistie, die durch die Monstranz repräsentiert wird.

Das Bild stammt zwar aus einer anderen Zeit, seine Botschaft aber ist auch heute noch aktuell. Auch sagt es mir, dass die Weitergabe des Glaubens immer schon eine Herausforderung war, denn schon damals hat sich der Künstler offensichtlich Gedanken gemacht und sie für andere in dieses Bild gefasst. Vielleicht kann es auch heute noch Inspiration für unser Tun sein?

Mfg Peter Lauschus, Vikar

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